Anja Schöggl: „Ohne Eskalation gewinnt man keine Wahlen.“

Von Julia Hosch und Christina Jauk

Julia Hosch/Christina Jauk: Sie waren von Oktober 2010 bis vor Kurzem Pressesprecherin von Landesrat Gerhard Kurzmann. Wie sind Sie zu Ihrem Job gekommen und warum haben Sie ihn angenommen?

Anja Schöggl: Das war durch Zufall. Während meines Studiums habe ich sehr schnell festgestellt, dass der journalistische Bereich und auch der Medienbereich für mich nicht passend sind. Ich habe trotzdem fertig studiert und danach noch eine Ausbildung begonnen. Durch Zufall bin ich dann über einen Bekannten an einen Nationalratsabgeordneten vermittelt worden. Anfangs hab ich auf Bezirksebene die Pressearbeit mitgemacht und im Mai 2010 hat mich Dr. Kurzmann angerufen und gefragt, ob es für mich eine Option wäre, den Wahlkampf zu leiten, denn sie bräuchten jemanden, damit das Ganze ein professionelles Bild hat. Sollte Kurzmann nach der Wahl Landesrat werden, hat man mir die Position als Pressesprecherin zugesagt. So bin ich dazugekommen.

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Ist die Politik-PR auf Bundesebene anders als auf Landesebene? Oder reden wir hier vom selben Geschäft?

Auf Bundesebene ist es noch eine Spur intensiver. Da wird gekauft und verkauft, ausgemacht und dann geht der Herr Fellner wieder einmal mit dem Herrn Strache frühstücken.  Das ist gang und gäbe. Man darf das offiziell nicht zu sehr ausplaudern, aber das ist schon so.

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Vor Wahlen ist die FPÖ dafür bekannt, mit ihren Kampagnen gerne zu provozieren. Muss man sich da als Pressesprecher besondere Strategien zurechtlegen, was die Öffentlichkeitsarbeit anbelangt?

Ja, schon. Das „Moschee Baba“-Spiel ist so ein Beispiel. Das ist im engsten Kreis entschieden worden, da war ich nie eingebunden. Das Spiel habe ich dann abends gesehen und über Nacht oder am nächsten Tag in der Früh ist es online gestellt worden. Der Vormittag war jedenfalls eine Katastrophe. Das Handy ist übergegangen, das Festnetz hat geläutet, die Journalisten sind vor der Tür gestanden. Das war richtig krass – Totaleskalation.

Wie geht man mit so einer Situation um?

Da gibt man auf. Das war ein absoluter Selbstläufer. Da kann man nicht mehr. Da kann man nur mehr delegierend schauen, dass er immer das gleiche sagt und sich nicht verspricht. Da waren russische Fernsehsender da. Da war alles da.

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Ist es als Frau schwieriger?

Ja, immer! Aber sicher nicht nur in diesem Bereich. Vielleicht in dem Bereich noch eine Spur mehr, da man auch in der Auslage steht. In unserer Partei ganz schwer, weil Frauen generell mit viel mehr Misstrauen zu kämpfen haben, als ein Mann, der gleich ausgebildet ist.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 26. Oktober 1985

Ausbildung: 2004 Matura an der HLW Fohnsdorf, Studium Journalismus und Unternehmenskommunikation an der FH JOANNEUM (Abschluss Mag. (FH)), Studium Rechtswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz (Abschluss Mag. jur.), Studium Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz (Abschluss MA)

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: Berufseinstieg parallel zum ersten Studium als Dolmetscherin u.a. bei der Formel 1, Verbleib bei der Praktikumsstelle als Junior Manager bei einem internationalen Schrotthandel, Ende 2008 Einstieg in die Politik als parlamentarische Mitarbeiterin, Leitung Öffentlichkeitsarbeit im Landtagswahlkampf 2010 für die FPÖ, 2010–2014 Pressesprecherin und stv. Büroleiterin im Regierungsbüro Dr. Gerhard Kurzmann, seit April 2014 in der Privatwirtschaft 

Aktuelle Position: Assistant CEO, Legal Affairs bei „Red Bull GmbH”

Das strebe ich noch an: Beruflich auch weiterhin einen Job, der mich jeden Tag mit Freude in die Arbeit fahren lässt und in dem ich mich verwirklichen kann und in dem man Möglichkeiten und Chancen bekommt. Privat: Dass mir meine Familie Rückhalt und Ausgleich zum Berufsleben gibt und dass man in Zufriedenheit leben kann.

 

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