Bernd Pekari: „Zu viel Überzeugung macht außerdem betriebsblind.“

Von Raphaela Oßberger und Sandra Reischl

 

Welche Qualifikationen sollte man als Pressesprecher im politischen Bereich in jedem Fall mitbringen?

Man muss in jedem Fall schnell und gut schreiben können und man muss in jedem Fall ein breites Wissensspektrum sammeln. Aber ich glaube, das erarbeitet man sich, weil man oft sehr schnell zu den verschiedensten Themen eine Stellungnahme abgeben muss. Das heißt, man kennt sich dann nirgends ganz gut aus, aber überall ein bisschen. Und das sollte man zusammenfassen können. Man muss kommunikativ sein, gerne mit Leuten reden, auch mit jenen, die man persönlich nicht mag, man kann ja auch nicht jeden mögen. Man muss flexibel sein können, das heißt oft oder meistens erreichbar sein, wenn irgendetwas ist. Man muss gerne Medien konsumieren und sich für Medien interessieren. Ich glaube, man sollte grundsätzlich gerne lesen, fernsehen, reden und schreiben.

(…)

Ist Ihre Arbeit durch die Reformpartnerschaft schwieriger oder anders geworden?

Die anderen Pressesprecher haben viel weniger zu tun, erzählen sie mir. Aber es ist insgesamt anders geworden, weil die Regierungsparteien weniger PR machen. Früher, also in der Periode 2005 bis 2010, haben wir ganz oft auf irgendwas reagieren können, da hat jeden Tag ein Landesrat irgendeine neue Idee gehabt. Dann kann man eine Aussendung machen, ob man das gut oder schlecht findet. Jetzt machen die ja ganz selten Pressekonferenzen und es fällt dieses „Hinmotzen“ weg, was aus meiner Sicht auch gescheit ist. Man kann sich jetzt mehr auf eigene Sachen konzentrieren, was für die kleineren Parteien auch positiv ist.

(…)

Derzeit sind „Die Grünen“ in der Steiermark keine Regierungspartei. Glauben Sie, Sie würden anders arbeiten, wenn sie in der Regierung vertreten wären?

Rein technisch? Nein, glaube ich nicht.

Und inhaltlich?

Wir würden in der Regierung natürlich genau das gleiche vertreten wie in der Opposition auch. In der Regierung musst du natürlich Kompromisse machen, das ist einfach so in einer Demokratie. Also wenn wir eine Alleinherrschaft hätten, könnten wir alles umsetzen, was wir jetzt fordern, das dauert aber noch ein bisschen. In einer Koalition, also in Graz haben wir ja eine Koalition gehabt, heißt Regierung Kompromisse schließen. Das sind unterschiedliche Parteien mit unterschiedlichen Ideen und da muss man sich eben auf ein Programm einigen. Das machen die selbst ernannten Reformpartner meiner Meinung nach schon gut, dass sie nicht streiten, sondern gemeinsam auftreten. Die haben ja auch ihre innerparteilichen Probleme und Konflikte und es ist nicht für jeden leicht, alles mitzutragen. Aber ich glaube es wirkt schon besser, wenn man gemeinsam ein Ziel verfolgt.

(…)

Bei der Landtagswahl 2010 wurde Jörg-Martin Willnauer als Spitzenkandidat präsentiert. Wie haben Sie die Situation damals wahrgenommen und welche Folgen hätte das für Sie gehabt? Wäre da viel Inszenierung notwendig gewesen? Oder hätte er sich vielleicht ohnehin selbst inszeniert?

Da das jetzt schon einige Zeit her ist, kann ich es ja sagen: Also ich hätte ganz sicher nicht für Jörg-Martin Willnauer arbeiten können, das war einfach ein Wahnsinn. Es gibt in der Politik Aufmerksamkeitsheischer und natürlich ist es ein Trend, Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen zu holen. Allerdings hat es fast keiner dieser Quereinsteiger geschafft, längerfristig drinnen zu bleiben, weil Politik ein Beruf ist, den man mit learning by doing lernen muss. Man stellt sich das von außen so einfach vor, ist es aber nicht. Mit Willnauer hat ja es über ein paar Wochen hinweg eine Zusammenarbeit gegeben, aber das war weit davon entfernt, wie politische Prozesse und Kommunikationsprozesse laufen. Quereinsteiger werden oft nur genommen, um Aufmerksamkeit zu generieren, das zieht sich eh durch alle Parteien.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 5. März 1977

Ausbildung: 1995 Matura am BRG Petersgasse, Jus-Studium an der Karl-Franzens-Universität Graz  (nicht abgeschlossen), Medienkundlicher Lehrgang an der Karl-Franzens-Universität – Masterupgrade 2014

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: Journalist beim „Neuen Grazer“, der „Kleinen Zeitung“ und verschiedenen Magazinen, 2002/2003 Presseabteilung „Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas“, seit 2004 Pressesprecher im Landtagsklub der „Grünen“ sowie seit 2011 im Nationalratsklub

Aktuelle Position: Öffentlichkeitsarbeit für den „Grünen Landtagsklub Steiermark“, Wochenenddienste in der Presseabteilung im Nationalratsklub

Das strebe ich noch an: Eine amerikanische Late Night-Show moderieren.

 

Morgen

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