Christian Brünner: „Ich habe eine erotische Beziehung zur Macht.“

Von Andreas Eymannsberger und Lucas Kundigraber

Schlägt sich die mediale Präsenz der Politikberichterstattung eher zugunsten der Landesregierung oder zugunsten der Abgeordneten nieder?

Auf jeden Fall nicht zugunsten Abgeordneter. Man müsste eher sagen zugunsten der Landesregierung oder zugunsten des Landtags. Der Parlamentarismus, die Parlamente sind schwach, sowohl der Nationalrat als auch die Landtage. Das Interesse ist eher Richtung Landesregierung gerichtet. Das Parlament ist mehr oder weniger Vollzugsorgan dessen, was eine Regierung beschließt, weil sie das durch ihre Mehrheit im Parlament durchsetzt. Es ist sicher so, dass Klubobleute, die eine gewisse Rolle gespielt haben oder sich einen gewissen Ruf erarbeitet haben – Christopher Drexler ist so ein Beispiel –, sehr wohl auf der medialen Bühne im Scheinwerferlicht stehen. Wenn Sie mich fragen, wie viele Namen ich in den einzelnen Fraktionen aufzählen kann: Vielleicht die Klubobleute, aber dann bin ich auch schon fertig. Die Medien berichten zwar von den Landtagssitzungen, aber es gibt viele Tagesordnungspunkte, das sind in der „Kleinen Zeitung“ zwei Seiten und dann ist es aus.

(…)

Haben die Medien politisch Einfluss auf Sie genommen?

Naja, schon. So gegen Ende der Legislaturperiode, als die nächste Wahl heraufgedämmert ist, bin ich mit manchen Positionen schweigsamer geworden. Insbesondere was regionale Infrastruktur usw. angelangt. Dieses Fettnäpfchen habe ich gemieden. Und das war eindeutig dem medialen Transport und der Wiederwahl geschuldet. In den zentralen politischen Positionen, die ich hatte und habe, habe ich keine Abstriche gemacht.

(…)

Wenn Sie sich jetzt in Bezug auf die politische Berichterstattung etwas wünschen könnten, was wäre das?

Vielfalt. Ich trauere der „Neuen Zeit“ nach. Die hat auch viel zu diesem Vielfaltspostulat beigetragen. Ich wünsche mir, dass das Zeitungssterben nicht weitergeht, dass Journalisten Sachkenntnisse haben und dann entsprechend der Redaktionslinie und ihrer politischen Standpunkte agieren. Und – das habe ich schon gesagt – dass Kommentar und Bericht feinsäuberlich getrennt sind.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 12. Februar 1942

Ausbildung: 1960 High School Diploma an der Richfield Highschool Minneapolis/Minnesota, 1961 Matura BRG Bruck/Mur, 1961–1965 Studium der Rechte an der Universität Graz

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: 1968–1978 Vertrags- und Universitätsassistent an der Universität Graz, 1978–1980 Außerordentlicher Universitätsprofessor, 1980–2010 Ordentlicher Universitätsprofessor für öffentliches Recht, 1983–1985 Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, 1985–1989 Rektor der Universität Graz, 1987–1988 Vorsitzender der Rektorenkonferenz der Arge-Alpen-Adria, 1987–1989 Vorsitzender der Österreichischen Rektorenkonferenz, 1987–1990 Leiter des Außeninstituts der Universität Graz

Politische Laufbahn: 1990–1994 Abgeordneter zum Nationalrat (ÖVP), 1995–2000 Abgeordneter zum Steiermärkischen Landtag (1999–2000 Obmann des Kontrollausschusses), Landessprecher und Klubobmann des Liberalen Forum Steiermark Aktuelle Position: Emeritierter Universitätsprofessor für öffentliches Recht

Das strebe ich noch an: Ich bin mit dem zufrieden, was ich erreicht habe. Ich konnte die Politik mitgestalten, was ich an verschiedenen Gesetzesregelungen auch zeigen kann.

 

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