Claudia Gigler: „Wir Journalisten ticken anders als Politiker.“

Christoph Schattleitner: Unser Projekt umfasst drei Bereiche: Journalismus, Politik und Politik-PR. Haben wir uns mit Ihnen den wichtigsten Player ausgesucht?

Claudia Gigler: Na klar, Journalismus ist der wichtigste Player in diesem Dreieck – nicht der Gescheiteste oder der staatspolitisch Wichtigste, sondern die kommunikationstechnische Schnittstelle. Ein Politiker, dem es nicht gelingt, sich den Journalisten zu vermitteln, dem gelingt es nicht, sich dem Volk zu vermitteln. Auch in Zeiten von Social Media braucht es den Journalisten als objektives, glaubwürdiges Medium. Jeder, der mit Öffentlichkeit zu tun hat, muss danach trachten, dass ihn der Journalist als erster Leser / Hörer / Seher versteht. Vielleicht wird das einmal anders, ich glaube es aber nicht, weil es immer eine Instanz braucht, die die Fülle von Informationen filtert und dabei selbst als glaubwürdig  und authentisch wahrgenommen wird.

(…)

Sie sind neben Ihrer Redakteurstätigkeit auch in der „Kleine Zeitung Akademie“ aktiv und halten dort Seminare über Öffentlichkeitsarbeit. Was würden Sie einem „Politik-PRler“ raten, um bei Ihnen ins Blatt zu kommen?

Das wäre jetzt ein achtstündiger Vortrag. Das Um und Auf ist, die Befindlichkeit des Gegenüber zu erkennen. In diesem Fall, die Interessen des Publikums zu treffen. Dort, wo sich unsere und deren Interessen treffen, haben beide Seiten etwas davon. Der Sinn ist, zu erkennen, wo die Leute sind, für welche diese Information relevant ist. Wo es diese Relevanz gibt, muss man sich gar nicht anstrengen. Wenn etwas für das Publikum nicht relevant ist, findet es nicht statt.

PR muss übersetzen, muss Neugier wecken und befriedigen. Die Basis für längerfristig funktionierende PR sind Beziehungen, die auf gegenseitigem Vertrauen aufbauen.

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Sie sagen, es mangelt der PR an Qualität, bzw. journalistischer Denkweise. Glauben Sie, ehemalige Journalisten sind die besseren PR-Leute?

Ja, wobei die Öffentlichkeitsarbeit natürlich wieder eigene Kompetenzen erfordert. Ein ehemaliger Journalist ist meiner Meinung nach trotzdem der bessere PR-Arbeiter. Derjenige, der den Journalismus kennt, ist eindeutig im Vorteil, weil er von vornherein mehr Ahnung vom Zielpublikum hat.

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War es für Sie nicht schwer, als Frau im Journalismus an Information zu gelangen? Die Politik ist ja von Männern dominiert.

Nein, es hat nur länger gedauert. Als Frau hast du noch andere Methoden und einen anderen Umgang, was jedoch kein Nachteil ist. Ich bin nicht diejenige, mit der man in die Sauna geht und auch nicht diejenige, die ein Bierbesäufnis in Gang setzt. Ich habe ausschließlich berufliche Beziehungen zu den Leuten, diese sind jedoch sehr intensiv. Die Leute kennen mich, haben Vertrauen zu mir. Zwischen Frau und Mann hat man oft einen anderen Umgangston, eine andere Art von Kommunikation. Durch die Art und Weise, wie ich Beziehungen aufbaue, glaube ich, dass mir die Leute andere Sachen erzählen, als einem Mann.

Ich persönlich habe mein Frau-Sein nicht als Nachteil empfunden, eher als Vorteil, weil die Leute auf mich anders zugegangen sind als auf männliche Kollegen.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 13. September 1962

Aufgewachsen in: Linz

Ausbildung: 1981 Matura, 1981–1988 Studium der Germanistik und Anglistik, 1983–1985 Medienkundlicher Lehrgang an der Karl-Franzens-Universität Graz, 1983 Studienaufenthalte in Oxford und 1996 in Durham/North Carolina

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: 1988/89 Probejahr am Oeverseegymnasium, 1989–1995 Politikredaktion „Neue Zeit“, seit 1995 Politikredaktion „Kleine Zeitung“, seit 2012 Rektorin der „Kleine Zeitung Akademie“

Aktuelle Position: Politikredakteurin und Rektorin der „Kleine Zeitung Akademie“

Das strebe ich noch an: Ich möchte am Ende meiner Laufbahn noch immer überzeugt sagen können, dass ich weiß, wie die Leser und vor allem die User ticken bzw. wie sie und wie wir für sie von Nutzen sind.

 

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