Edith Zitz: „Politsprech auf ‚Facebook’ ist lächerlich.“

Von Vanessa Angermann

Welche Medien sind in der Steiermark am einflussreichsten?

Wenn ich strategisch denke, halte ich Onlineforen bei diversen Medien für hochrelevant. Dort werden sehr interessante Informationen weitergegeben: teilweise auch rufschädigende Informationen, teilweise Informationen, die demokratiepolitisch absolut grenzwertig sind, teilweise Informationen, die strafrechtlich relevant sind. Die Onlineforen halte ich auch im Bereich der Wahrnehmung des öffentlichen Diskurses für sehr wichtig. Ich sage nicht, dass der Diskurs hochqualitativ ist, aber er spiegelt sehr viel wider. Ich halte auch Social Media in unterschiedlicher Ausgestaltung für bedeutend. Auf der Ebene der klassischen Medien sind der ORF, Fernsehen und Radio, wichtig. Im Printbereich sind das die „Kleine Zeitung“, die „Kronen Zeitung“, „Der Standard“, „Die Presse“, nicht zu vergessen der „Kurier“ und die „Salzburger Nachrichten“. Die beiden letzteren haben aus meiner Sicht JournalistInnen, die immer exzellent auf Interviews vorbereitet waren. Obwohl beide Medien in der Steiermark nicht hegemonial sind.

(…)

Können Sie sich eine Rückkehr in die Politik vorstellen?

Für mich ist das abgeschlossen. Ich bin aber nach wie vor eine interessierte Beobachterin von politischen Entwicklungen. Ich habe mich vier Jahre lang ganz bewusst aus dem Kommentieren von Politik völlig zurückgehalten. Ich hätte es für mich inakzeptabel gefunden, aus der Funktion herauszukommen, und dann von außen noch das politische Geschehen zu kommentieren. Ich kann mir vorstellen, dass ich mir jetzt, nach dieser Distanz, wieder mehr Nähe zur politischen Landschaft zutraue. Diese vier Jahre der Abstinenz habe ich mir einfach verordnet und ich glaube, es hat den „Grünen“ gut getan, weil Freiraum entsteht, sich weiterzuentwickeln. Mir hat es sehr gut getan, weil ich mich beruflich gut etablieren konnte.

Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich in meiner liebevoll-kritischen Zuneigung zu den „Grünen“ so weit weg von der Partei bin, dass ich mir wieder relativ gut vorstellen kann, mich auf dieser Ebene des gesellschaftspolitischen Kommentierens einzubringen. Für mich war nur diese Zwischenzeit so wichtig, weil ich es ungustiös finde, wenn ausscheidende PolitikerInnen ihren „Senf“ dazu geben. Die werden von Medien teilweise total manipuliert, denn die Leute steigen ja oft mit Verletzungen aus. Und dann entsteht so eine äußerst sonderbare Konstellation mit Medien, wo die Medien gerade auf diese Leute unglaublich „scharf“ sind. Da entstehen Abhängigkeiten, die ich für total „ungesund“ halte. Ich habe das Gefühl, dass ich soweit emanzipiert bin, dass ich mich da möglicherweise wieder annähern werde.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 25. Mai 1965

Ausbildung: Studium Amerikanistik/Anglistik, Geschichte und Sozialkunde (Lehramt (Abschluss 1989)) und Rechtswissenschaften (Abschluss offen) an der Karl-Franz-Universität Graz, Studien- und Arbeitsaufenthalte in den USA und Nicaragua

Politische Laufbahn: 1995–2010 Steirische Landtagsabgeordnete der „Grünen“, Klubsprecherin für Soziales, Gentechnik, Generationen, Kultur, Frauen, EU und Menschenrechte

Aktuelle Position: Diversitäts-Fachfrau. Projektleitung für „Anerkannt! Projekt zur leichteren Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen“ bei „inspire – Verein für Bildung und Management“, Projektleitung beim Verein JUKUS „Spielsucht – die Stille Sucht. Ein unterkultureller und diversitätsorientierter Blick“

Das strebe ich noch an: Von und mit Vielfalt leben – hier und jetzt!

 

Morgen

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