Erwin Zankel: „Wenn man schon als 20-Jähriger in dem ‚Geschäft’ ist, dann kennt man Hermann Schützenhöfer.“

Von Lukas Matzinger

 

Haben Sie auch private Kontakte zu Politikern gepflegt?

Doch, ja. Etwa mit meinem wirklich gutem Freund aus der Studentenzeit bei der SPÖ, dem späteren Landesparteisekretär Günther Horvatek. Ihn habe ich mindestens ein Mal in der Woche getroffen. Wenn man wie ich in der Studentenpolitik tätig war, dann kennt man so viele Leute. Zum Beispiel Bernd Schilcher, der mein Studienkollege und später mein Trauzeuge war. Mit ihm habe ich alle Prüfungen gemacht. Da hat man natürlich ein Nahverhältnis. Wenn man schon als 20-Jähriger in dem „Geschäft“ ist, dann kennt man Hermann Schützenhöfer, seit er angefangen hat. Dann ist man – ich habe ihn auch privat immer sehr gemocht – eben zehn Jahre später auch per Du geworden. Bei Bernd Schilcher war es allerdings manchmal an der Kippe, als er ÖVP-Klubobmann im Landtag war. Er hat geklagt, ich sei besonders „grauslich“ zu ihm.

Um die Unabhängigkeit zu beweisen, greift man Freunde mitunter härter an.

(…)

Wo würden Sie sich und wo würden Sie die „Kleine Zeitung“ auf einer politischen links-rechts-Skala einordnen?

Natürlich sind wir, ist die „Kleine Zeitung“ überwiegend bürgerlich angesiedelt, aber es kommt auch aufs Konkurrenzverhältnis an. Die „Kronen Zeitung“ hat sicher die Anmutung linker oder sozialistischer zu sein. Dahinter steht aber die Arbeiterschaft, das Publikum, an das sie sich wendet, die sicher – um es „nett“ auszudrücken – strukturkonservativer ist als die Leserschaft der „Kleinen Zeitung“. Darum tu’ ich mir mit rechts und links einigermaßen schwer. Im allgemeinen Erscheinungsbild, das ist kein Geheimnis, sind wir doch der ÖVP näher als der SPÖ.

Gegeneinwand ist, dass die „Kleine Zeitung“ laut „Media-Analyse“ derzeit den größten Vorsprung gegenüber der „Kronen Zeitung“ unter einem sozialdemokratischen Landeshauptmann erreicht hat, was dann auch wieder schwer erklärbar ist. Deshalb finde ich, dass diese Schemata vor zwanzig Jahren noch durchaus eine Rolle gespielt haben, aber schauen Sie sich an: Welche Macht haben denn die Parteien ideologisch gesehen noch? Die beiden Großen? Das löst sich irgendwo auf. Vor zwanzig Jahren, ja, aber jetzt nicht mehr. Das wird so diffus. Wo gehören zum Beispiel die Neos hin? Teile der Sozialdemokratie, das beginnt bei den Rentnern, die ja laut den Wahlanalysen deren größte Wählerschicht sind, sind konservativst, wenn nicht reaktionär.

(…)

Wie war in Ihrer beruflichen Laufbahn der Kontakt mit Kollegen von der „Kronen Zeitung“? Waren das Mitstreiter oder doch eher Rivalen?

Das hängt sehr stark von Persönlichkeiten ab. Schwierig war es, obwohl ich den eigentlich gut gekannt habe, mit Georg Novotny, der sehr offensiv agiert hat, sich in Csoklich fast verbissen hat. Das war aus Novotny-Sicht natürlich strategisch sehr geschickt, von der „Kleinen Zeitung“ aber sicher ein Fehler, jede Woche zwei Glossen über die „Kronen Zeitung“ zu schreiben, welch’ furchtbares Blatt das ist. Als Größerer greift man den Kleineren nie an, auch wenn man sich noch so ärgert. Da muss man eine Gelegenheit abwarten, ihn zu erwischen. Aber das war eben der Zeitungskampf, wo man dann sagt: „Und jetzt hab’ ich ihm eine ‚tuscht’.“

Hat es landespolitisch jemals so etwas wie thematische Absprachen zwischen „Kleine“ und „Krone“ gegeben?

Nein.

(…)

Vom Logistischen wieder zum Thematischen. Ab 2003 hat es in der „Kleinen Zeitung“ einen doch recht deutlichen Bruch in der Landespolitikberichterstattung gegeben. Warum eigentlich?

Wie meinen Sie das, 2003?

Stichwort Klasnic, Herberstein.

Das war damals auch nicht lustig, das Ende der Ära Klasnic. Aber dass Klasnic verliert, das war ein Jahr, eineinhalb Jahre vorher schon spürbar. Jetzt kann man über einzelne Dinge wirkliche streiten. Es war sicher jenseits der Grenze, als wir dieses „Kussfoto“ auf Seite 1 hatten. Aber jetzt zu sagen, damit hätten wir die Klasnic gekillt – so einfach ist dieses Geschäft nicht. Da hätten schon viele gekillt werden müssen, wenn es auf ein Foto ankommt. Sagen wir so: Sie ist als völlig Unterschätzte 1995 Landeshauptmann geworden und hat fünf Jahre später den grandiosen Wahlerfolg eingefahren. Danach hat sich herausgestellt, dass sie eigentlich überschätzt worden ist. Es waren interne Konflikte, insbesondere mit Gerhard Hirschmann und Heribert Paierl. Da war man parteiintern heillos zerstritten. Dann ist noch eine gewisse Abgehobenheit dazugekommen.

Aber Herberstein: Ja, dieses Foto war brutal, das war brutal, das war „drüber“. Ich war da gerade auf Urlaub, aber ich will mich nicht hinausreden.

Hätten Sie das auch so gemacht?

Das weiß ich nicht, ehrlich gesagt. Aber es kann sein, dass man sagt: „Hoppla, das ist ein tolles Foto, nehmen wir es.“

Ohne die Konsequenzen zu bedenken oder weiß man in dem Moment, was man damit anrichten kann?

Nicht unbedingt, ehrlich gesagt. Da macht’s nicht automatisch gleich „klick“.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 4. April 1941

Ausbildung: 1959 Matura, 1959–1964 Studium der Rechtswissenschaften

Beruflicher Werdegang: 1964–1965 Pressereferent der ÖVP Steiermark, 1965–2006 „Kleine Zeitung“, ab 1982 Ressortleiter Innenpolitik, ab 1994 Stellvertretender Chefredakteur, ab 1998 Chefredakteur und Vertragsleiter

Aktuelle Position: Chefredakteur in Ruhe

Was ich noch erreichen möchte: Nicht zu schnell zu verblöden.

 

 

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