Georg Fuchs: „Wir neigen nicht zu Größenwahn.“

Von Angela Mader und Angelika Golser

 

Können Sie sich an eine schwierige Aufgabe erinnern, die Sie bewältigen mussten? Oder ein Worst Case-Szenario?

Vor kurzem haben wir eine Situation gehabt, die für mich als Pressesprecher sehr unangenehm war. Wir haben ein sehr brisantes Dokument zugespielt bekommen, das aufzeigte, dass in der Steiermark im Bereich der Pflegeheime viel Geld verschwendet wird. Wir haben in der Steiermark als fast einziges Bundesland ein System, das sehr stark auf die Subventionierung von privaten, gewinnorientierten Pflegeheimen mit öffentlichen Geldern aufgebaut ist. Das ist natürlich ein Problem, denn wenn wir mehr gemeinnützige Pflegeheime hätten, wäre das billiger. Die leisten auch das Gleiche. Wir haben bei den privaten eine Kostensteigerung von 180 Euro in wenigen Jahren, 60 Euro bei den gemeinnützigen. Das ist zwar auch nicht wenig, aber es ist ein großer Unterschied.

Diese Probleme waren uns schon bekannt, weil sie unter anderem der Rechnungshof aufgezeigt hat. Wir haben aber ein internes Dokument des Landes bekommen, das beweist, dass dies den politischen Entscheidungsträgern schon viel länger bekannt war, als es der Rechnungshof auch weiß. Das wollten wir veröffentlichen und der, der uns das zugespielt hat, hat auch signalisiert, dass dies in seinem Sinne sei. Dann haben wir zu einer Pressekonferenz eingeladen. Offenbar ist es mir gelungen, das so zu formulieren, dass die großen Tageszeitungen „angebissen“ haben und auch schon vorab Informationen haben wollten. Das ist dann eine schwierige Situation, man will ja nicht seine eigene Pressekonferenz sprengen.

Am Abend davor ruft der Informant an und sagt, er habe sich das nochmal überlegt und er habe Existenzangst. Er hat das noch einmal durchgedacht, denn, wenn wir das veröffentlichen, würde die Spur immer zu ihm führen. Im Sinne des Informantenschutzes – Zeitungen müssen ja auch ihre Informanten schützen – haben wir die Pressekonferenz absagen müssen. Das war in den letzten Jahren die einzig wirklich unangenehme Situation. Dann habe ich mit den einzelnen Journalisten telefonieren müssen und ihnen versichern, dass dies keine Fälschung war oder ein Versuch, auf uns aufmerksam zu machen. Das kann passieren, aber natürlich muss man das respektieren. Nur um des Effekts willen jemanden in Schwierigkeiten zu bringen, geht nicht.

Wie waren die Reaktionen der Journalisten? Haben sie das verstanden?

Ja, die haben Verständnis gehabt. Ich nehme an, weil sie auch gelegentlich in solche Situationen kommen können. Vor allem weil das Bisschen an Informationen, das ich ihnen gezeigt habe, keine Erfindung war. Das wäre ja das Schlimmste, da zerstört man die eigene Glaubwürdigkeit. Dann könnte der Eindruck entstehen, dass ich das nur mache, damit die KPÖ in der Zeitung steht. Das war eine Situation, die wahrscheinlich der unangenehmste Moment für mich war.

(…)

Welche Qualitäten muss ein Pressesprecher mitbringen, um bei der KPÖ zu arbeiten? Sind dies eher allgemeine Kompetenzen oder auch etwas Spezifisches?

Er muss, glaube ich, ein Gespür dafür haben, wo die Leute die Probleme sehen, wo Leute finanziell oder wirtschaftlich unter Druck stehen, was die Probleme sind, um die wir uns auch politisch kümmern können. Das ist wichtig, dass nicht nur im geschlossenen Raum agiert wird und Sachen auf Papier zusammengereimt werden. Die Verbindung zur Basis darf nicht fehlen. Das ist eine Eigenschaft, die für die KPÖ sehr wichtig ist. Auch der Umgang mit der Sprache ist vielleicht auch nicht von Nachteil.

Hat es wichtige Lektionen gegeben, Tipps oder Ratschläge, die Sie geprägt haben?

Tipps und Ratschläge wenige. Aber ich habe schon lange bevor ich tätig war, sehr aufmerksam verfolgt, was andere zum Beispiel im Gemeinderat oder im Landtagsklub machen. Wie die Presseaussendungen und die Pressearbeit gemacht werden. Dadurch, dass ich doch im Hausdruck einige Jahre gearbeitet habe, habe ich auch mitbekommen, wie unsere eigenen Zeitungen aufgebaut sind. Learning by doing war das. Ich habe das jahrelang mitverfolgt, dadurch war es nicht neu für mich.

Natürlich habe ich von Ernest Kaltenegger viele Tipps bekommen, zu welchen Themen es gut ist, eine Pressekonferenz zu machen und wo er gemeint hat, dass wir dazu keine brauchen. Man hat am Anfang das Gespür noch nicht, man kann es nicht haben. Man muss sich das Meiste selbst beibringen.

 

Zur Person

Aufgewachsen in: Veitsch (Mürzzuschlag)

Ausbildung: 1992 Matura am Gymnasium Mürzzuschlag, 1992–1998 Geschichte- und Philosophiestudium, Tätigkeit als Studierendenvertreter auf der ÖH der Uni Graz

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: 1998–2003 Layouter in der Hausdruckerei der KPÖ, Pressearbeit, 2003–2008 Mitglied im Grazer Gemeinderat, seit 2005 Pressesprecher der KPÖ

Aktuelle Position: Pressesprecher der KPÖ

Das strebe ich noch an: Die Vertretung der KPÖ im steirischen Landtag absichern und an einer sozialeren Politik mitwirken.

 

Morgen

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