Herwig Hösele: „Die Politik lässt einen ja nicht los.“

Von Tina Peinhart

 

Wie interpretieren Sie die Qualität steirischer Spitzenrepräsentanten aus der Politik im Umgang mit Medien?

Ich glaube, dass Spitzenpolitiker früher weniger oft mit Journalisten zu tun gehabt haben als heute. Grundsätzlich ist es aber gleich geblieben: Jeder Politiker möchte natürlich das Beste für die Menschheit und im speziellen Fall dann für die Steiermark, aber er will auch nicht zu sehr kritisch beleuchtet werden. Er wird viele Dinge, die er in der Zeitung liest oder in den anderen Medien hört und sieht, als ungerecht empfinden. Das liegt im Wesen des Politikers. Insofern muss er auch eine gewisse Leidensfähigkeit entwickeln und auf der anderen Seite auch eine gewisse Sensibilität. Aber ich glaube, daran hat sich in der Qualität nicht wirklich etwas geändert, sondern nur in der Quantität. Das heißt, dass die Kontakte mehr geworden sind.

(…)

Der Landeshauptmann ist der wichtigste Vertreter des Staates im Landesgebiet und vertritt in vielen Angelegenheiten den Bund. Wie wichtig ist daher die Planung von Kommunikationsstrategien?

Es ist wichtig, kommunizieren zu können, welches Ziel man für sein Land hat. Im aktuellen Fall hat der amtierende Landeshauptmann Franz Voves in Kooperation mit seinem amtierenden Stellvertreter Hermann Schützenhöfer das Ziel, eine Reformpartnerschaft mit Reformen zu vollziehen und das Budget zu sanieren, um später wieder gute Impulse setzen zu können. Das scheint mir die Strategie zu sein, die in den Jahren 2011/2012 auch relativ erfolgreich kommuniziert werden konnte. Eine politische Kommunikationsstrategie muss ich einerseits auf das inhaltliche Konzept des Politikers, also des Landeshauptmannes, aufbauen und andererseits muss ich auch sehen, welche Persönlichkeit dieser Landeshauptmann ist. Wir haben ja ganz unterschiedliche gehabt. Ich habe schon für Landeshauptmann Friedrich Niederl Medienkonzepte, Regierungserklärungen und ähnliches schreiben dürfen. Er war ganz anders als sein Nachfolger Josef Krainer jun. und als Landeshauptmann Waltraud Klasnic.

Landeshauptmann Krainer zum Beispiel hat als ein sehr machtbewusster, durchsetzungsfähiger Politiker gegolten, der noch dazu ein hochgradig Intellektueller ist und sich mit Kunst, Kultur und Architektur bestens auskennt. Die Frau Landeshauptmann Klasnic wiederum hat als eine sehr liebenswürdige, nach Harmonie strebende, ausgleichende, empathische, zuhörende und warmherzige Persönlichkeit gegolten, der man aber nicht unbedingt das zugetraut hat, was dem Josef Krainer zugetraut wurde und zwar, dass er, wenn er etwas wollte, das auch durchgesetzt hat. Selbst wenn man davon ausgeht, dass beide dieselben Inhalte vertreten, muss man die Kommunikationsstrategie der Persönlichkeit anpassen. Josef Krainer war eine ganz andere Persönlichkeit als Waltraud Klasnic und der jetzige Landeshauptmann wird auch wieder eine andere Persönlichkeit sein. Da habe ich nur von außen einen gewissen Einblick, aber ihn kann man, glaube ich, auch nicht als großen Intellektuellen verkaufen. Er ist aber ein Mann, der es ehrlich meint, der auch Emotionen zeigt und ein Ziel hat.

Die Kommunikationsstrategie ist auf die Persönlichkeit abzustimmen, auf das Gesamtkonzept und dann musst du einen großen Teil der Strategie für die unvorhergesehenen Ereignisse einplanen. Es kommt alltäglich etwas daher – kleinere Sachen, die du sicher nicht vorhersehen kannst, und große Sachen, die du auch nicht voraussehen kannst, aber du musst dafür gewappnet sein. Ich nehme als Beispiel das Grubenunglück in Lassing im Juli 1998: Da kannst du die beste Strategie haben, es kommt dann nur darauf an, wie der Politiker in dieser Lage agiert. Die Frau Landeshauptmann hat das damals exzellent gemacht, das sagen alle. Das hat natürlich das Bild gefestigt. Beim Josef Krainer war eine der großen Geschichten 1991 der Krieg an der Grenze und sein Versuch, die Nachbarländer Kroatien und Slowenien möglichst nahe an Europa heranzuführen. Daher wird bei ihm insbesondere seine engagierte Politik gegenüber den Nachbarn im Gedächtnis bleiben, bei Waltraud Klasnic werden es Dinge sein, wie ihr Agieren in Lassing oder ihr Einsatz für die Babyklappe. Zusammen haben beide wesentlich dazu beigetragen, dass der schwierige wirtschaftliche Strukturwandel der Steiermark von einem von der Verstaatlichtenkrise und der Grenzlandsituation geschütteltem Land zu einer Zukunftsregion mit sehr guten Wirtschafts- und Forschungsdaten gelungen ist. Und dass sie für ein offenes, kulturelles und geistiges Klima Initiativen gesetzt haben. Jetzt habe ich das etwas lang ausgeführt. Strategie ist wichtig, gleichzeitig muss ein Teil der Strategie sein, das Unvorhersehbare anzunehmen und damit umzugehen.

(…)

Welche Eindrücke sind Ihnen von der Landtagswahl 2005 am stärksten in Erinnerung geblieben?

Ich habe seit dem Landtagswahlkampf 1978 de facto immer das gleiche gemacht, also sieben Landtagswahlen lang. Davon haben wir vier grandios gewonnen, zwei ziemlich verloren – das war 1995 und 2005 – und bei einer, das war 1991, erwartungsgemäß die absolute Mehrheit verloren, weil da die FPÖ stärker geworden ist. Wenn die Wahl gut gegangen ist, haben eh immer alle gewonnen. Wenn die Wahl schief gegangen ist, waren aber immer zwei oder drei schuld. Der Wahlkampf 2005 hat mein Nervenkostüm deswegen doch noch mehr gefordert als alle anderen, weil durch die Kandidatur des vormaligen geschäftsführenden Parteiobmanns der Steirischen Volkspartei, Dr. Hirschmann, ein Faktor ins Spiel gekommen ist, der viele Unwägbarkeiten gebracht hat, die sonst nicht aufgetreten wären. Die Steiermark ist im Jahr 2005 so gut dagestanden wie sie, glaube ich, in der Geschichte seit 1945 nicht dagestanden ist und es war auch sonst mehr oder minder eine sehr gute Situation. Aber trotzdem, wir haben dort wirklich viel probiert, mit Inseraten, Plakaten usw., aber die kleinste Panne, die es gegebenen hat, ist damals plötzlich als ein riesen Flop der „Klasnic-ÖVP“ dargestellt worden. Imponiert hat mir trotzdem sehr, dass wir bis zum letzten Tag eine sehr tolle Wahlbewegung gehabt haben, obwohl gerade die Volkspartei sehr anfällig für Stimmungen ist. Viele haben gemerkt, dass sich das wahrscheinlich oder möglicherweise nicht mehr ausgehen wird, denn in den Umfragen lagen wir ja ab September hinter der SPÖ. Sonst passiert das oft in der ÖVP, vor allem auf Bundesebene, dass man schon ungefähr drei Wochen vor einer Wahl sagt: „Die haben wir eh schon verloren.“ Aber hier haben wir wirklich bis zum Schluss eine tolle innere Bewegung gehabt.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 17. Juli 1953

Ausbildung: Matura am Akademischen Gymnasium in Graz 1971, Studium der Betriebswirtschaft (nicht abgeschlossen)

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: 1973–1975 Redakteur bei der „Süd-Ost Tagespost“, 1976–1980 Pressereferent der Steirischen Volkspartei, 1981–2005 Pressesprecher des Landeshauptmannes der Steiermark, 2005–2014 Koordinator in der Abteilung für Wissenschaft und Forschung, Land Steiermark, seit 2010 Koordinator bei der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft, seit 2014 ORF-Stiftungsrat

Aktuelle Position: Generalsekretär des „Zukunftsfonds“ der Republik Österreich

Das strebe ich noch an: Noch einige Jahre der Vita activa.

 

Morgen

Josef Riedler: „Ein ordentlicher Eigentümer lässt seine Leute arbeiten.“

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