Ilse Reinprecht: „Ich schätze die Medien mächtiger ein als die durchschnittlichen Politiker.“

Von Andreas Eymannsberger und Lucas Kundigraber

 

Wo haben Sie in der SPÖ begonnen und wie war Ihr politischer Werdegang?

Ich habe eigentlich nicht in der Partei begonnen, sondern in den 1970er Jahren in der unabhängigen Frauenbewegung und bin erst darüber und vor allem durch die Anziehungskraft von Johanna Dohnal zur SPÖ und in die Politik gekommen.

Wie war Ihr erster Kontakt mit Medien als Politikerin?

Damals war ich noch keine Politikerin. Unser erster Kontakt mit den Medien war in der Frauenbewegung, als wir das unabhängige Frauenzentrum gründeten – das war damals noch eine ziemliche Sensation. Die Berichterstattung war dementsprechend, zum Teil sehr positiv, zum Teil sehr höhnisch. Ich kann mich noch erinnern, die „Kronen Zeitung“ hat „Der neue Frauentempel“ oder so ähnlich getitelt.

(…)

Wie hat sich die Position der Kultursprecherin eigentlich ergeben?

Vielleicht weil ich eine Abgeordnete war, die viel liest und ins Theater geht.

(…)

Wird die steirische Landespolitik in den Medien ausreichend gewürdigt? Wird genügend geschrieben und berichtet?

Meiner Meinung nach werden häufig die falschen Sachen geschrieben und berichtet. Wenn zwei sich streiten, sind die Medien sofort da, und wenn man als Politiker oder Politikerin in die Zeitung kommen will, schimpft man am besten über einen Parteikollegen. Damit ist man sicher in der Zeitung. Vielleicht zum letzten Mal, weil einen dann die Partei nicht mehr will, aber es ist eine sichere Methode, wenn man irgendeinen Skandal oder so etwas aufrührt, um in den Medien präsent zu werden. Das hängt mit der Art des Journalismus zusammen. Zum Beispiel interessieren sich Journalisten sehr, sehr wenig für Hintergründe und sie erklären Gesetze auch nicht so, wie sie sie den Lesern und Leserinnen erklären müssten. Das ist sicher auch ein Platzproblem in den Zeitungen. Mir ist das zum Beispiel beim Prostitutionsgesetz aufgefallen. Die Berichterstattung ist an der Oberfläche geblieben und wenn man etwas gefragt wurde, dann irgendetwas Sensationalistisches: „Wie viele Meter muss ein Bordell von einer Schule entfernt sein?“ oder so, aber nicht, worum es wirklich geht.

(…)

Wie viel politische Arbeit mit Journalisten spielt sich in Hinterzimmern ab?

Sehr viel, glaube ich. Politiker, die etwas werden wollen und in der Bevölkerung bekannt werden wollen, laden Journalisten ein und solche Dinge…

Können Sie da Beispiele nennen?

Nein, da müsste ich Namen nennen, das tue ich nicht (lacht).

Ist man als Politiker davon abhängig, in den Medien vertreten zu sein? Gibt es Politiker, die längerfristig gute Politik machen können und sich aus den Medien heraushalten?

Ich glaube, dass das etwas sehr Schwieriges ist. Das Standing in einer Partei hängt auch davon ab, wie häufig man in den Medien vorkommt.  Da sind die Abgeordneten schwer benachteiligt. Es sind die Regierungsmitglieder, die im Regelfall vorkommen.

Ist es für Politiker mittlerweile wichtiger, sich zu inszenieren, politische Ereignisse zu inszenieren, statt die wirkliche Arbeit zu machen?

Man könnte den Eindruck bekommen. Nur glaube ich, ist das in Wahrheit nicht sehr langlebig. Man kann kein politisches Leben mit Inszenierungen bestreiten – auf Dauer. Das geht nicht, das geht innerparteilich nicht und das geht in der Öffentlichkeit, glaube ich, auch nicht. Aber in Wahrheit wird die Politik ja auch immer kurzlebiger.

(…)

Hätte der Wiedereinstieg in die Politik für Sie einen Reiz?

Nein.

Warum nicht?

Weil es ziemlich anstrengend ist. Es ist wirklich anstrengend.

Ist es auch teilweise frustrierend?

Es ist auch frustrierend. Zum Beispiel bei Dingen dabei sein zu müssen, die einen nicht interessieren. Mit Leuten Kontakt haben zu müssen, die man nicht leiden kann. Man soll das nicht unterschätzen. Es ist in Wirklichkeit – egal wie man das sieht – kein leicht verdientes Geld.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 2. August 1953

Ausbildung: 1972 Matura, 1972–1984 Studium der Philosophie und Soziologie, 1983–1985 Bibliothekarsausbildung

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: Seit 1979 Bibliothekarin auf der Universitätsbibliothek Graz

Politische Laufbahn: 1996–2010 Landtagsabgeordnete

Aktuelle Position: Bibliothekarin

Das strebe ich noch an: Ein geistig reges Alter.

 

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1 comment for “Ilse Reinprecht: „Ich schätze die Medien mächtiger ein als die durchschnittlichen Politiker.“

  1. 26. Juli 2015 at 16:34

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