Josef „Josi“ Bauer: ,,Die Politik macht mir immer noch Spaß.“

Von Angelika Golser und Angela Mader

 

Haben Sie sich in irgendeiner Weise als Spindoktor gesehen?

Diesen Ausdruck hat es damals überhaupt nicht gegeben. Wenn ich es mit der heutigen Zeit vergleichen müsste, würde es schon stimmen und hinkommen. Zum Beispiel habe ich es als eine meiner Aufgaben gesehen, dass nicht nur die wenigen Journalisten, die Karl Stoiser persönlich kannte, zu Presse- oder Kamingesprächen eingeladen werden, sondern dass alle in Graz ansässigen Tageszeitungen und der ORF vertreten waren. Ich kann mich an einen riesigen Kampf mit Karl Stoiser und vor allem mit Gemeinderat Gerald Prettner, der zu diesem Zeitpunkt Bezirksparteisekretär der SPÖ war, erinnern, ob ein Vertreter der ,,Wahrheit“ zu Pressekonferenzen der SPÖ überhaupt eingeladen werden darf. Die „Wahrheit“ war die kommunistische Tageszeitung in der Steiermark. Ich habe gesagt: „Das ist selbstverständlich.“ Prettner sagte: ,,Mit diesen Kommunisten wollen wir nichts zu tun haben. Das verbietet das Parteistatut. Das geht nicht.“ Das war einer meiner ersten Kämpfe, um innerparteiliche Verkrustungen aufzuweichen. Es gab diese institutionellen Verkrustungen und es herrschte parteiintern auch die Meinung vor, dass es egal ist, wie jemand aussieht, die Leute wählen mich, weil sie sowieso SPÖ wählen. Mein Standpunkt war, dass es nicht nur darauf ankommt, Haltung zu besitzen, sondern auch darum, ein sympathisches Bild nach außen zu zeigen. Ich habe versucht, das klarzumachen. Es ging um die Bildung eines Images, im wahrsten Sinne des Wortes. Imagebildung ist eigentlich das, was Spindoktoren heute machen. Und das habe ich gemacht.

(…)

Wie würden Sie den Umgang steirischer Spitzenrepräsentanten im Umgang mit Medien beurteilen?

Da kann man keine Generalnote vergeben, da gibt es riesige Unterschiede. Man kann zu Hermann Schützenhöfer stehen, wie man will, aber ich finde, er macht das gut. Er ist schon ewig im Geschäft und wird eigentlich nie negativ dargestellt. Er hat nie besondere Spitzen, besondere Höhen, hat aber auch nie ein Tief. Er ist immer gutes Mittelmaß. Ich würde den Hermann Schützenhöfer und seine Presseleute hervorheben wollen. Der beste PR-Mann, den die Steiermark gehabt hat, war der Josef Krainer und dann die Waltraud Klasnic. Die zwei waren brillant in der Medienarbeit.

Von den heutigen hat es Franz Voves geschafft, mit ein paar hervorragenden „Sagern“ österreichweit bekannt zu werden. An seinem Beliebtheitsgrad könnte er noch arbeiten, aber der ist ihm, glaube ich, egal. Voves ist ein liebevoller Opapa geworden und sieht seine Zukunft wohl eher in der Familienbetreuung der Enkel als in der Politik. Das wird man sehen.

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Kam es in Ihrer gesamten Karriere zu Worst Case-Szenarien, schwierigen Aufgaben oder Krisen?

Die hat es immer gegeben, natürlich. Ich erinnere mich an eine persönliche Krise. Ein Proponent von mir hatte einen Sohn, der etwas schwer erziehbar war und der hatte in der Nacht ein paar Autos demoliert. In der Früh kam der Chef, hat mir das gesagt und gefragt: „Was machen wir aus der Geschichte? Das wird sicher in der Zeitung stehen.“ Dann habe ich gesagt: „Ja, dann steht das eben in der Zeitung. Das ist so. Aber du kannst sicher sein, es steht nur einen Tag in der Zeitung.“ Ich  sollte schauen, dass das so sein wird. Ich habe dann den ganzen Tag zu tun gehabt und in allen Redaktionen um Verständnis gebeten. Das heißt, man muss wirklich zum Telefon greifen und schauen, dass man mit allen Chefredakteuren persönliche Gespräche führt.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 23. Jänner 1949

Ausbildung: 1968 Matura BRG Knittelfeld, Geschichtestudium an der Karl-Franzens-Universität Graz (bis zur Dissertation)

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: 1972–1976 Reporter /Freier Mitarbeiter bei der Tageszeitung ,,Neue Zeit“ (NZ), 1976–1987 Aufbau Pressereferat und PR-Arbeit für die Grazer SPÖ, 1987 Wechsel in die Verstaatlichte Industrie, 1988–1992 Gründer und Chefredakteur der Hotelfachzeitung  ,,ROLLING PIN“, 1992–1997 Erster Pressereferent SPÖ-Landtagsklub, 1997 Wechsel in das Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Sozialabteilung, 2005–2014 Fachabteilung Europa und Außenbeziehungen sowie Fachabteilung Gesellschaft und Diversität

Politische Laufbahn: 2005 Unterstützung der wahlwerbenden Gruppe ,,Die Parteifreien“ bei der steirischen Landtagswahl

Aktuelle Position: In Pension

Das strebe ich noch an: Möglichst oft mit jungen Menschen darüber zu diskutieren, dass die heutige Form der Demokratie zwar die bestmögliche ist, die wir haben, aber nicht die bestmögliche, die wir haben könnten.

 

Morgen

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