Josef Reinprecht: „Wenn das Vertrauen nicht gegeben ist, wird man als Pressesprecher nicht erfolgreich sein können.“

Von Lisa Putz

 

Haben Sie das Gefühl, dass sich das Verhältnis zwischen Pressesprecher im politischen Bereich und Journalisten in den letzten Jahren verändert hat? Falls ja, wie äußert sich das?

Ich begann zu einer Zeit, als es modern geworden ist, sich einen Pressesprecher zu halten. Es war auch die spannende Zeit, in der sich die Technik extrem verändert hat. Zu meiner Zeit war das technisch Fortschrittlichste eine Schreibmaschine, die schon fünf Zeilen vorausschreiben konnte – an einen Computer war noch nicht zu denken. Es hat sich danach sehr viel verändert, auch in der Kommunikation. Mein erstes Handy zum Beispiel war ein riesengroßer Ziegelstein. Es hat sich durch diese technische Entwicklung die Geschwindigkeit auch sehr verändert. Früher ist alles viel langsamer gegangen, denn früher wurden die Presseaussendungen grundsätzlich per Fax verschickt. Der Redakteur hat es dann in der Redaktion bekommen und es sich zuerst einmal angesehen. Heute werden wir im Gegensatz dazu mit Reizen überflutet, es gibt jede Menge Presseaussendungen. Ich muss jeden Tag viel stärker um den Platz, den ich für meinen Chef in der Zeitung haben möchte, kämpfen, weil die Redaktionen viel mehr Presseaussendungen bekommen. Mit den E-Mail-Aussendungen ist das natürlich alles viel leichter geworden. Das heißt, es ist alles in allem schneller geworden, teilweise dadurch auch unpersönlicher, weil es eben auch nicht mehr notwendig ist, auf Pressekonferenzen zu gehen. Es gibt ja mittlerweile ganz andere Kommunikationsmittel, und ich möchte hier noch gar nicht auf die ganz neuen Medien wie „Facebook“ oder „Twitter“ eingehen, die man natürlich auch nennen könnte. Es ist also alles schneller geworden und auch unübersichtlicher. Die Medienbeobachtung erfolgt nicht mehr so wie früher. Es reicht nicht mehr, Inhalte von ein paar Zeitungen und eines Radios im Blick zu haben, um alles im Griff zu haben. Wir leben in einem Hype von Information. Das heißt, ich muss auch, wenn ich gezielt eine Information unterbringen möchte, ganz gezielt die richtigen Medien finden, um das richtige Publikum anzusprechen. Ich muss mich fragen, wen ich damit ansprechen will und welche Medien von meiner Zielgruppe konsumiert werden.

(…)

Was wäre ein Worst Case-Szenario in Ihrem Beruf? Gibt es ein Rezept für Krisen?

Wenn es keine Medien mehr geben würde, dann wäre ich obsolet (lacht). Im Ernst, ich kann mir kein Worst Case-Szenario vorstellen, also Worst Case-Szenarien würden eher auf der emotionalen Seite liegen. Wenn zum Beispiel jemand, der mir sehr nahe steht, seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, das wäre ein schlimmes Szenario für mich. Sonst gibt es für mich kein Problem, das nicht in irgendeiner Form lösbar wäre. Es muss auch jedes Problem lösbar sein – es gibt keine Denkunmöglichkeiten in meinem Beruf. Man muss sich mit allem konfrontieren lassen und sehen, dass man so gut wie möglich damit zurechtkommt.

Ein Worst Case-Szenario habe ich allerdings schon einmal erlebt. Ich habe für eine Landesrätin gearbeitet, deren Mann als Bankräuber erschossen worden ist. Sie selbst hat von seinen kriminellen Machenschaften nichts gewusst. Als ich telefonisch damit konfrontiert wurde, war ich selbst geschockt. Mit so einer Situation muss man erst einmal umgehen können. Auf solche Sachen ist man in Wirklichkeit nicht vorbereitet.

Sind Sie nur für die Medienarbeit bzw. Pressekonferenzen zuständig, oder auch für Strategie, Imagebildung, Karriereplanung etc. eines Politikers?

Ich habe eine Beraterfunktion. Pressesprecher sind im Inner Circle des Politikers, sie beraten und entscheiden mit, wägen mit ab. Ich sage nicht, welche Ideen gut sind, sondern ich liefere mehrere Möglichkeiten und analysiere deren Stärken und Schwächen. Ich bin ständig mit Analysefragen beschäftigt, was natürlich wichtig und auch spannend ist. Jeder Tag liefert ein anderes Thema, außer man beschäftigt sich im Rahmen einer größeren Kampagne einmal mit einem Thema für zwei bis drei Monate. Das kann aber auch interessant sein, denn Kampagnen sind sehr aufwändig und vielseitig.

Das ist die eine Seite, auf der ich aktiv bin. Und es gibt die andere Seite, zum Beispiel, wenn Journalisten anrufen und Stellungnahmen zu gewissen Themen verlangen.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 27. März 1964

Ausbildung: 1983 Matura am Akademischen Gymnasium in Graz, Mathematik-, Physik- und Jus-Studium (nicht abgeschlossen)

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: ab 1990 während des Studiums Nebentätigkeit bei der „Kronen Zeitung“ (Politik- und Wirtschaftsressort), gegen Ende der Tätigkeit federführend im Wirtschaftsressort, 1991–2005 Pressesprecher FPÖ-Landtagsklub

Aktuelle Position: Seit 2009 Pressesprecher des 2. Landeshauptmann-Stellvertreters Siegfried Schrittwieser (SPÖ)

Das strebe ich noch an: Ich habe, glaube ich, das wunderbare Glück gehabt, alles zu erreichen, was man als Pressesprecher noch erreichen kann. Ich erhebe höchstens Anspruch darauf, mit meinem jetzigen Chef noch einige Jahre gemeinsam zu arbeiten und eine erfolgreiche Landtagswahl zu schlagen. Aber eine bessere Funktion als in der, in der ich mich jetzt gerade befinde, kann ich mir beruflich für mich persönlich nicht vorstellen.

6 comments for “Josef Reinprecht: „Wenn das Vertrauen nicht gegeben ist, wird man als Pressesprecher nicht erfolgreich sein können.“

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