Ronald Rödl: „A job that pays my bills, ist es nicht.”

Von Raphaela Oßberger und Sandra Reischl

Sie waren Pressesprecher zweier Parteichefs. Welche „Medientypen“ waren bzw. sind Michael Schmid und Hermann Schützenhöfer? Welcher war bzw. ist leichter zu „verkaufen“?

In Wirklichkeit geht es stärker um die politischen Rahmenbedingungen, in denen Spitzenpersönlichkeiten Politik betreiben. Also in den 1990ern gab es immer wieder sehr heftige Konfrontationen zwischen den drei Parteien in der Regierung – ÖVP, SPÖ und FPÖ – und alle Parteien wurden vielleicht ähnlich stark wahrgenommen. Es war ein sehr harter Wettbewerb der drei Parteien und das hat sich jetzt in der Reformpartnerschaft verändert. Durch die Zusammenarbeit der beiden großen Parteien wird die Arbeit für das Land in den Vordergrund gestellt und nicht die parteipolitische Auseinandersetzung. In der Reformpartnerschaft wollen wir jetzt einfach Probleme lösen, Strukturen verändern, Budgets in Ordnung bringen. Das sind jetzt unsere Aufgaben. Das heißt, das sind ganz andere kommunikationspolitische oder kommunikationstechnische Aufgaben. Die politische Arbeit hat weniger mit der täglichen Auseinandersetzung als mit langfristiger, konkreter inhaltlicher Arbeit zu tun.

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Was hat sich in der steirischen Politik-PR im Vergleich zu früher geändert?

Die vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Reformpartnerschaft der beiden Landeshauptleute Voves und Schützenhöfer bedingt auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der engeren Mitarbeiter. Ich habe zu meinem Kollegen René Kronsteiner, dem Pressesprecher von Landeshauptmann Voves, ein exzellentes Verhältnis. Wenn wir gemeinsame Reformen kommunizieren, müssen wir uns auch im Vorfeld gut abstimmen. Alles andere würde keinen Sinn machen, denn sonst kommen unterschiedliche Botschaften an die Öffentlichkeit und das wäre nicht unser Ziel.

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Wie hat die Reformpartnerschaft in der Steiermark die Zusammenarbeit mit den Medien verändert? Was hat sich in Ihrem Aufgabenbereich verändert?

Wir hatten in der Zeit der Konfrontation auch unsere Rituale. Wenn die eine Seite eine Pressekonferenz gemacht hat, hat auch die andere eine absolviert. Beide Seiten haben die Journalisten vorinformiert und es hat auch eine dementsprechende Vor- und Nachberichterstattung gegeben. Manche Journalisten und Medien haben von diesen Ritualen geschichtentechnisch sehr gut gelebt. Das haben wir dann in der Zeit der Reformpartnerschaft beendet und unsere Kommunikationskonzepte verändert. Wir gehen nur mehr an die Öffentlichkeit, wenn wir erzielte Erfolge oder Vorhaben präsentieren können. Wir haben die großen gemeinsamen Auftritte auf das Wesentliche reduziert. Ich glaube auch, das ist wichtig, denn wenn wir jetzt zu einer Pressekonferenz laden und sagen, wir machen etwas, wissen Journalisten, da kommt jetzt auch etwas, das interessant ist. So gesehen hat sich das schon sehr verändert.

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Gab es zwischen 2005 und 2010, als das Verhältnis zwischen SPÖ und ÖVP teilweise gehässig und vergiftet war, informelle Kommunikationskanäle zwischen ÖVP und SPÖ, abseits der Medien und Schützenhöfer und Voves?

Wie vorher schon gesagt, wenn man sich lange kennt, hat man auch die Möglichkeit, informelle Gespräche zu führen, ohne dass man die eigene Position aufgibt. Damit glaube ich, habe ich die Frage beantwortet.

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Gibt es ein spezielles Verhältnis zwischen Pressesprecher und Politiker im Gegensatz zu den anderen Mitarbeitern in den politischen Büros?

Das ist eigentlich logisch. Es gibt vor allem in unserem System zwei Mitarbeiter, die sehr eng mit ihren Chefs in Kontakt sein müssen – vielleicht sogar drei. Das sind der Pressesprecher, der Büroleiter und die Chefsekretärin. Die drei haben natürlicherweise einen engeren Kontakt, weil die Terminsekretärin ist meist die Herrin über den Fahrplan des Politikers, der Büroleiter ist für viele Aufgaben aus dem Tagesgeschäft zuständig und der Pressesprecher ist voll im Einsatz, weil es gibt auch am Wochenende Fernsehen, Medien und Zeitungen – Internet gibt’s sowieso immer.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 16. Februar 1969

Ausbildung: 1987 Matura am BG Gleisdorf, 1988–1993 BWL-Studium in Graz,

2002 M.A. in Syracuse/NY, 2004 Doktorat in Betriebswirtschaftslehre an der KFU Graz

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: 1993–2000 Pressesprecher von Landesrat Mihael Schmid, 2000–2004 Amt der Steiermärkischen Landesregierung (Wohnbau, Informationstechnik), seit 2004 Pressesprecher von Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer

Aktuelle Position: Pressesprecher von Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer

Das strebe ich noch an: Einen guten Job zu machen.

 

Morgen

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