Walter Baustädter: „Politische Konfliktthemen waren immer gefragter als Geschichten über die Eintracht.“

Von Max Sommer

 

Sie sprechen auch die immer weiter abnehmende journalistische Potenz aufgrund der geringen Anzahl der Journalisten an. Hat die Zeitung im Allgemeinen in den letzten Jahren an Wichtigkeit bzw. Macht verloren, im Speziellen die „Steirerkrone“?

Das ist eine Frage, die für mich schwierig zu beantworten ist, weil ich nicht mehr in den Kreisen unterwegs bin, von wo das Echo herkommen sollte. Ich kann nicht mehr genau sagen, ob die „Krone“ noch genau so gehört und für wichtig genommen wird wie zu meinen aktiven Zeiten. Wie gesagt, ich bin vor einigen Jahren in Pension gegangen. Dass die „Kleine Zeitung“ für wichtig genommen wird, das glaube ich schon bestätigen zu können. Bei der „Krone“ weiß ich es nicht.

Warum glauben Sie, es bei der „Kleinen“ bestätigen zu können?

Weil auf die „Kleine“ mehr reagiert wird. Die Politik nimmt auf das, was sich die „Kleine“ vorstellt oder vorschlägt, mehr Rücksicht als auf das, was die „Krone“ schreibt. Das ist mein subjektiver Eindruck. Genau kann ich das nicht sagen, weil ich nicht mehr in den Zirkeln verkehre, wo darüber gesprochen wird.

(…)

Wie hat sich das Verhältnis zwischen Politikern und Journalisten in den letzten Jahrzehnten verändert?

Veränderung hat es insofern gegeben, als die Politiker früher eher abgehoben waren. Die Herren und die wenigen Damen waren damals noch sehr positionsbewusst. Es hat auch eine andere Einstellung der Bevölkerung gegeben. Politiker waren in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts teilweise noch Persönlichkeiten, die aus einer gewissen Position der Herrschenden heraus mit den Leuten umgegangen sind. Die gibt es heute kaum mehr. Die derzeit aktiven Politiker wissen eher, dass sie ihr Mandat vom Wählervolk haben und verhalten sich entsprechend zurückhaltender und vorsichtiger. Früher waren es auch andere Persönlichkeiten, die in die Politik gegangen sind und höhere Funktionen innegehabt haben. Die gibt es nicht mehr, die sind mehr oder weniger ausgestorben. Das war ein alter Schlag von Leuten, die natürlich den Zweiten Weltkrieg mitgemacht haben, die von den harten Jahren nach 1945 geprägt waren, die viel aushalten mussten, die auch einen anderen Bildungshintergrund hatten. Da war einmal der „alte“ Krainer, der den Steirern viel Rückgrat und Identität gegeben hat. Dann zum Beispiel der Mürztaler Toni Peltzmann, der war damals durchschlagskräftiger Wirtschaftslandesrat oder der Franz Wegart, der die Steiermark zum Fremdenverkehrsland gemacht hat.  Auf der „roten“ Seite waren es der „alte“ Schachner-Blazizek, Adalbert Sebastian, Sepp Gruber oder der Hannes Bammer. Das waren noch Persönlichkeiten.

(…)

Die Politikredaktion der „Steirerkrone“ umfasst derzeit zwei Journalisten. Hat sich das seit Ihrem Ausscheiden verändert?

Nein, wir waren immer zu zweit.

Im Gegensatz zur „Kleinen Zeitung“ ist die Politikredaktion der „Steirerkrone“ nicht gerade üppig besetzt. Reichen zwei Journalisten aus?

Ja sicher. Für das „normale“ Tagesgeschehen würde auch einer ausreichen. Wenn „große“ Dinge wie zum Beispiel ein Untersuchungsausschuss anstehen, dann braucht es schon zwei. Wenn Sie nach Wien blicken: Dort machen drei Personen die Innenpolitik und zwei die Außenpolitik der „Kronen Zeitung“.

(…)

Welche Rolle spielen informelle Treffen im Prozess des politischen Journalismus? Kommen die interessanten Geschichten wirklich erst nach dem „dritten Bier“? Wie im Bild der „Verhaberung“, wo Journalismus an der Bar stattfindet.

Ich glaube, den Journalismus an der Bar gibt es gar nicht mehr. Das hat es bei uns in meinen letzten Jahren nicht mehr gegeben. Es kommt auch noch eines dazu: Wenn man allein irgendjemandem trifft, dann gibt es für mich die Geschichte exklusiv. Wenn das an der Bar erfolgt, als informelles Treffen, wo vielleicht Konkurrenzkollegen auch dabei sind, dann habe ich nichts davon. Wir sind dann nicht mehr hingegangen. Wenn man sich mit irgendeinem möglichen Informanten – Politiker oder Referenten – trifft, da reicht ein Kaffee am Vormittag auch. Diese Bierabende waren für den steirischen Bereich nicht mehr en vogue.

Weil sie „nicht mehr“ sagen: Es gab auch den Ruf, dass mit dem Beruf des Journalismus eine gewisse Trinkfestigkeit kommen muss.

Das ist ein Vorurteil. Das hat für unseren Bereich nie zugetroffen.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 13. November 1942

Ausbildung: 1961 Matura im Stiftsgymnasium Admont

Beruflicher Werdegang/wichtigste Stationen der beruflichen Laufbahn: Nach Matura und Grundwehdienst bis Ende 1965 Finanzbeamter, dann einige Jahre in Schweden und Island. 1968–1972 Journalist bei der „Südost Tagespost“, 1972–2007 bei der „Kronen Zeitung“ in Graz.

Aktuelle Position: Als Journalist in Pension, aber als Medienberater der Shoppingcity Seiersberg weiterhin tätig.

Das strebe ich noch an: Ich kann es zwar nicht anstreben, aber ich wünsche mir, dass die Printmedien sich noch möglichst lange über Wasser halten können. Und dass es weiterhin Journalisten gibt, die unabhängig und frei sowie zu akzeptablen finanziellen Bedingungen agieren können.

 

Morgen

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