Wolfgang Wehap: „Es ist schon zu beobachten, dass es in der Medienlandschaft ein leichtes Übergewicht an Sympathien für Widerständler und die Opposition gibt.“

Von Ines Abraham und Sarah Matiasek

 

Unser Projekt umfasst die Bereiche Politikjournalismus, Politik-PR und Politiker. Wir haben uns für Journalisten als Gesprächspartner entschieden. Haben wir uns die wichtigsten Player in diesem Dreieck ausgesucht?

Natürlich nicht, auch wenn manche Politjournalisten glauben, dass sie die bessere Politik machen oder machen würden. Ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Und es gibt ja auch einige Beispiele, wo sich auch Journalisten dann als politische Quereinsteiger versuchten, und in der Regel zumindest nicht besser oder erfolgreicher sind als professionelle Politiker. Wobei professioneller Politiker im Sinne von „von der Wiege an“ ist wahrscheinlich auch zu monokausal und sicher auch nicht von Vorteil. Aber im Grunde genommen glaube ich, das ist ein Kräftedreieck, wo eben jeder seinen Part zu spielen hat.

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Wie beurteilen Sie generell die Einflussnahme der steirischen Landespolitik auf die Medienberichterstattung? Auch im Vergleich zur Bundespolitik. Nimmt die Landespolitik mehr Einfluss auf die Berichterstattung?

Nein, glaube ich nicht. Also die Einflussnahme ist eher bescheiden. Also, ich glaube schon, dass das so ist. Und es ist eher so eine Subsidiarität zu erkennen. Das Wichtigere sind natürlich bundespolitische Themen, dann kommt das Land, dann die Kommune und es hängt natürlich schon auch vom Schwerpunkt des Mediums ab. Wenn das eine regionale Zeitung ist, dann steht natürlich Kommunalpolitisches im Vordergrund. Aber generell würde ich sagen, für jene Tageszeitungen, Agenturen inkludiert, die landesweit unterwegs sind, trifft diese Abfolge zu. Dann muss man auch unterscheiden zwischen Regierung und Landtag, wo sicherlich das, was in der Regierung passiert, mehr Gewicht hat, obwohl der Landtag als parlamentarisches Instrument und Gesetzgeber eigentlich darüber stehen sollte – oder zumindest auf gleicher Ebene. Aber in der Praxis ist einfach das, was in der Regierung passiert, das, was sich in den Medien stärker niederschlägt.

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Glauben Sie, dass Sie mit der APA einer der wichtigsten Medienansprechpartner in der Steiermark sind?

Es kommt auf die Themenstellung an. Manche Themen sind wirklich österreichweit interessant. Gemeindefusionen sind ein Beispiel dafür, was überregional recht gut läuft, oder der Pflegeregress. Es geht da um „Peanuts“, aber das Thema hat eine Strahlkraft über die Steiermark hinaus. Weil es eben das einzige Land war, das das noch immer gehabt hat und so weiter. Das sind die Besonderheiten, Alleinstellungsmerkmale, Vorpreschen in irgendwelchen Dingen oder Ausscheren aus der Parteilinie – das sind Themen, die wir speziell aufgreifen.

Kommen solche Meldungen wie zum Beispiel zu den Gemeindezusammenlegungen außerhalb der Steiermark anders an als innerhalb der Steiermark? Ist das auch ein Grund, warum man zur APA geht – um etwas anderes berichtet zu bekommen?

Das kann ich jetzt nicht sagen. Ich weiß nur, dass – wenn man das jetzt unter dem Stichwort „Einflussnahmen“ nehmen kann – die Reformpartner nicht ganz zufrieden mit den Medien sind – auch nicht mit uns. Weil wir berichten eben öfters, wenn sich die „Gemeindeinitiative“ zu Wort meldet und weniger über die vielen Aussendungen der Reformpartner, „wie toll, wie super und jetzt wieder eine Fusion“… Es ist schon zu beobachten, dass es in der Medienlandschaft ein leichtes Übergewicht an Sympathien für Widerständler und die Opposition gibt.

 

Zur Person

Geburtsdatum: 7. Jänner 1959

Ausbildung: BG Pestalozzi, Studium Volkskunde und Europäische Ethnologie (Abschluss 2000)

Beruflicher Werdegang/wichtigsten Stationen der beruflichen Laufbahn: 1979–1987 Redakteur bei der „Süd-Ost Tagespost“, 1988–1989 Pressereferent bei Umweltlandesrat Hermann Schaller (ÖVP), 1990–2003 Redakteur im Graz-Büro der APA, seither Leiter des Graz-Büros der APA

Aktuelle Position: Bis 31. August 2014 Leiter des Graz-Büros der APA

Das strebe ich noch an: Lehrbeauftragung von der FH und eventuell von der Uni im Medienbereich, freier Autor im Sachbuchbereich.

 

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